Biodiversität mit Linda
Liebe Besucherinnen und Besucher,- willkommen auf unserer Gartenführung..
Der Frühling ist da,- und mit ihm zahlreiche grössere und kleinere, krabbelnde, flatternde, unscheinbare und schützenswerte Mitbewohner.. Wir finden die natürliche Fauna und Flora 'ein Hingucker',- darum nehmen wir all diejenigen, die die Biodiversitätsführung verpasst haben, auf eine kleine Rundreise mit.
"Gucken Sie hin",- und wer weiss,- vielleicht flattert einmal eine Sandbiene von uns bis zu Ihnen in den Garten.
Auf dem Schulgelände der Sekundarschule Stadel werden verschiedene Massnahmen umgesetzt, um die Biodiversität zu fördern und naturnahe Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Tiere zu schaffen. Ziel ist es, ein ökologisch wertvolles Umfeld zu gestalten, das gleichzeitig als Lern-, Erlebnis- und Erholungsraum dient.
Ersatz der Buchssträucher
Die bisherigen Buchssträucher bieten ökologisch nur einen sehr geringen Nutzen. Sie liefern kaum Nahrung für Insekten oder andere Tiere. Durch ihren dichten, stark geschnittenen Wuchs entstehen zudem kaum Rückzugsorte oder Lebensräume.
Ein weiteres Problem ist der Befall durch den Buchsbaumzünsler. Dessen Bekämpfung würde den Einsatz von Insektiziden erfordern, was im Widerspruch zu unseren ökologischen Grundsätzen steht.
Deshalb werden die Buchssträucher schrittweise durch standortgerechte und heimische Pflanzen ersetzt, die einen deutlich höheren Nutzen für die Biodiversität bieten.
Einjährige Blumen- und Kräuterflächen
Die angelegten Blumen- und Kräuterflächen sind erste Versuche einer Bienen- und Insektenweide. Die aktuell verwendete Saatmischung ist noch nicht optimal, da einige Pflanzen zu hoch wachsen. Zudem handelt es sich grösstenteils um einjährige Arten, weshalb die Flächen jedes Jahr neu angesät werden müssen.
Der Begriff „Bienenweide“ hat zwei Bedeutungen:
Pflanzen, die besonders viel Nektar oder Pollen liefern und dadurch eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen darstellen
Flächen, auf denen besonders viele bienenfreundliche Pflanzen wachsen
Solche Blühflächen fördern nicht nur Wild- und Honigbienen, sondern auch Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele weitere Insektenarten.
Grasstreifen und extensiv gepflegte Grünflächen
Auf einzelnen Rasenflächen bleiben bewusst Grasstreifen oder Teilflächen stehen. Diese dienen nach dem Mähen als wichtige Rückzugsorte für Tiere.
Besonders in intensiv gepflegten Grünanlagen leisten solche extensiven Bereiche einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität. Hohes Gras bietet Lebensraum und Nahrung für:
Wildbienen
Heuschrecken
Schmetterlinge
Vögel
Igel
kleine Säugetiere
Im Gegensatz dazu bieten kurz gemähte Rasenflächen nur sehr wenig Lebensraum für Tiere und Insekten.
Teich mit Auslaufzone
Der Teich ist ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Gleichzeitig verbessert er das Mikroklima und schafft einen naturnahen Erlebnisraum auf dem Schulareal.
Ökologischer Nutzen des Teichs
Lebensraum für Libellen, Frösche, Wasserkäfer und Vögel
Förderung der Artenvielfalt
Speicherung von Wasser
Verbesserung der Luftfeuchtigkeit und Temperatur an warmen Tagen
Natürliche und beruhigende Gestaltung des Aussenraums
Besonders wichtig ist eine naturnahe Gestaltung mit flachen Uferzonen und vielfältiger Bepflanzung. So entsteht ein wertvolles Biotop für viele heimische Arten.
Der Teich benötigt regelmässige Pflege, insbesondere bezüglich Wasserqualität und Pflanzenwachstum.
Wurzelstöcke, Totholz und Holzstapel
Totholz ist ein zentraler Bestandteil eines naturnahen Lebensraums. Es bietet Nahrung, Schutz und Brutplätze für zahlreiche Tierarten und fördert gleichzeitig den natürlichen Nährstoffkreislauf.
Bedeutung von Totholz
Lebensraum für Käfer, Pilze, Moose und Flechten
Nahrung für holzbewohnende Insekten
Brut- und Rückzugsorte für Vögel, Fledermäuse und Kleinsäuger
Speicherung von Feuchtigkeit und Kohlenstoff
Förderung der Humusbildung
Schutz vor Erosion
Auch im Schulgarten haben Ast- und Holzstapel einen hohen ökologischen Wert. Sie dienen Igeln, Marienkäfern und vielen weiteren Nützlingen als Unterschlupf.
Besonders wertvoll ist dickes, sonnenexponiertes Totholz.
Aus Sicherheitsgründen wird jedoch darauf geachtet, dass sich keine gefährlichen Äste in der Nähe von Wegen oder Aufenthaltsbereichen befinden.
Baum- und Strauchinseln
Auf dem Schulgelände werden bewusst wilde und naturnahe Bereiche zugelassen. Dort dürfen Gräser, Kräuter und heimische Sträucher wachsen.
Pflanzen wie Brennnesseln, Salweiden oder Brombeeren sind wichtige Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen und andere Insekten. Zusätzlich bieten Laub-, Reisig- und Asthaufen wertvolle Verstecke für Igel, Kleintiere und Vögel.
Im Winter dienen Samen und Beeren vielen Vogelarten als Nahrung. Besonders wertvoll sind heimische Sträucher wie:
Holunder
Kornelkirsche
Pfaffenhütchen
Exotische Pflanzen wie Kirschlorbeer, Thuja oder Bambus bieten hingegen kaum Nahrung oder Lebensraum für heimische Tiere. Kirschlorbeer steht zudem auf der Schwarzen Liste invasiver Pflanzen des Bundes.
Warum wird dieses Konzept nicht überall umgesetzt?
An erster Stelle steht die Sicherheit aller Personen auf dem Schulareal. Deshalb werden Bäume regelmässig durch Fachpersonen kontrolliert und gepflegt.
Zu den notwendigen Pflegemassnahmen gehören:
Begrenzungsschnitt zur Kürzung der Baumkrone
Pflegeschnitt zur Entfernung von Totholz und beschädigten Ästen
Aufbauschnitt zur Stabilisierung der natürlichen Baumform
Gleichzeitig wird versucht, möglichst viele ökologische Grundsätze umzusetzen. Ziel ist der Verzicht auf exotische und stark gezüchtete Pflanzen zugunsten vielfältiger heimischer Arten.
Eine Hecke aus verschiedenen einheimischen Sträuchern bietet deutlich mehr Tierarten Nahrung und Lebensraum als eine Monokultur.
Reptilienhaufen
Reptilienhaufen aus Steinen, Sand, Holz und Astmaterial schaffen wertvolle Lebensräume für Eidechsen und andere wärmeliebende Tiere.
Die lockeren Strukturen speichern Wärme und bieten gleichzeitig Schutz-, Sonnen- und Überwinterungsplätze.
Solche Kleinstrukturen sind besonders wichtig, da natürliche Lebensräume vieler Reptilien heute selten geworden sind.
Extensivwiese
Die Extensivwiese wird nicht gedüngt und erst spät im Jahr erstmals gemäht. Dadurch können Pflanzen aussamen und Tiere ihren Lebensraum ungestört nutzen.
Vorteile der Extensivwiese
Hohe Pflanzenvielfalt mit bis zu 30–40 verschiedenen Arten
Lebensraum für zahlreiche Insektenarten
Nahrung für Vögel und kleine Säugetiere
Schutz für bodenbrütende Vogelarten
Natürliche Farbenvielfalt und hoher Erlebniswert
Durch die extensive Pflege entsteht eine artenreiche Wiese mit grossem ökologischem Nutzen.
Verzicht auf Herbizide und Pestizide
Auf dem gesamten Schulgelände wird bewusst auf Herbizide und möglichst auch auf Pestizide verzichtet.
Dadurch werden:
Bodenorganismen geschützt
Insekten und Bestäuber gefördert
Gewässer entlastet
Mensch und Umwelt weniger belastet
Diese naturnahe Pflege unterstützt langfristig ein gesundes und vielfältiges Ökosystem.
Vogelhäuschen
Die Vogelhäuschen auf dem Schulgelände wurden von Schülerinnen und Schülern gebaut und sind über das gesamte Areal verteilt.
Sie bieten verschiedenen Vogelarten zusätzliche Nist- und Rückzugsmöglichkeiten. Die Anzahl der Vogelhäuschen wächst laufend weiter und stärkt die Verbindung zwischen Naturförderung und praktischem Lernen.
Hochstammobstbäume
Die Hochstammobstbäume leisten einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität. Ein Teil der Äpfel bleibt bewusst liegen — allerdings nicht direkt unter den Bäumen, sondern in den Bauminseln.
Fallobst ist eine wertvolle Nahrungsquelle für viele Tiere, insbesondere im Herbst und Winter.
Tiere, die von Fallobst profitieren
Amseln
Drosseln
Rotkehlchen
Igel
Eichhörnchen
Insekten
Besonders wertvoll sind Äpfel aus biologischem Anbau, da sie keine Pestizidrückstände enthalten.
Auch der heimische Wildapfel (Malus sylvestris) ist ökologisch sehr bedeutend und dient vielen Tierarten als wichtige Nahrungsquelle.
Blühender Efeu
Blühender Efeu gehört zu den wichtigsten Nahrungsquellen für Insekten im Herbst. Da er erst zwischen September und November blüht, liefert er Nahrung zu einer Zeit, in der nur noch wenige andere Pflanzen blühen.
Bedeutung des Efeus
Nektar- und Pollenquelle für Bienen und Hummeln
Nahrung für Wespen, Schwebfliegen und Schmetterlinge
Lebensgrundlage für spezialisierte Arten wie die Efeu-Seidenbiene
Schutz- und Nistplatz für Vögel
Winterliche Nahrungsquelle durch die dunklen Beeren
Ältere Efeupflanzen beginnen meist erst nach mehreren Jahren zu blühen. Deshalb wird blühender Efeu möglichst erhalten und während der Blütezeit nicht zurückgeschnitten.
Für viele Insekten ist er die letzte wichtige „Tankstelle“ vor dem Winter.
Fazit
Mit zahlreichen kleinen und grossen Massnahmen entsteht auf dem Schulgelände der Sekundarschule Stadel Schritt für Schritt ein vielfältiger und naturnaher Lebensraum.
Die Kombination aus extensiver Pflege, heimischen Pflanzen, strukturreichen Lebensräumen und dem bewussten Verzicht auf Pestizide schafft wichtige Rückzugsorte für Tiere und Pflanzen — und macht Biodiversität für Schülerinnen und Schüler direkt erlebbar.
Bauminventar:
Nr. 1; Weissdorne Crataegus
Nr. 2; Vogelbeere Sorbus aucuparia
Nr. 3; Spitzahorn Acer platanoides
Nr. 4; Feldahorn Acer campestre
Nr. 5; Himalaya-Birke Betula utilis
Nr. 6; Bergahorn Acer pseudoplatanus
Bäume Nr. 7; 2 Gemeine Föhren Pinus sylvestris
Vogelbeere Sorbus aucuparia
3 Hainbuchen Carpinus betulus
Himalaya-Birke Betula utilis
Lärche Larix decidua
Nr. 8; Stieleiche Quercus robur
Nr. 9; Winterlinde tilia cordata
Nr. 10; Gehölzinsel; Diverse Bäume
Nr. 11; Gehölzinsel; Diverse Bäume
Nr. 12; Gehölzinsel; Diverse Bäume
Nr. 13; Ginkgo Ginkgo biloba
Nr. 14; Spitzahorne Acer platanoides
Nr. 15; 3 Schwarzföhren Pinus nigra
Nr. 16; Gemeine Föhre Pinus sylvestris
Nr. 17; Traubenkirsche Prunus padus